Masernimpfung

Ein Vergleich der gängigen Einfach- und Mehrfachpräparate bei der Masernimpfung

An die Sicherheit von Impfstoffen werden insgesamt höhere Anforderungen gestellt als etwa an Arzneimittel zur Behandlung schwerer Erkrankungen, denn die Impfung gegen Masern sowie Impfungen generell werden zumeist bei gesunden Personen eingesetzt [1]. Masernviren für Impfstoffe werden in Kulturen embryonaler Hühnerzellen gezüchtet. Für die Masernimpfung werden die Viren abgeschwächt und für die Bewahrung der Sterilität Antibiotika zugegeben. Die Antibiotika werden anschließend herausgewaschen und in den Impfstoff sind lediglich Spuren davon enthalten.  Durch Reste von Hühnereiweiss besteht durch die Impfung auch ein (geringes) allergisches Risiko. 

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Maserneinzelimpfstoffe sind in Deutschland nicht mehr zu erwerben

Der Impfstoff wird heute meist als MMR-Impfung verabreicht, d.h. zusätzlich wird gegen Mumps und Röteln geimpft. Maserneinzelimpfstoffe sind in Deutschland nicht mehr zu erwerben. Ein Anbieter eines Einzelimpfstoffes gegen Masern ist Meriéux und ist zum Beispiel über die Schweiz erhältlich. 

Bei allen Masernimpfungen handelt es sich um abgeschwächte Lebendviren, die bei der Dreifachimpfung gleichzeitig verabreicht werden. Dies ist möglicherweise problematisch, da eines der Impfviren eine Immunsuppression bewirken kann, was zu einer schleichenden Infektion mit den anderen Erregern führen kann [2]. 

MMR-II ist momentan der einzige in den USA zugelassen MMR-Impfstoff. Priorix wurde 1990 lizenziert und ist mittlerweile in über 100 Ländern erhältlich (v. a. Europa). 

Eine vergleichende Studie, die MMR-II und Priorix in einer Phase II-Studie (Doppel-Blind-Studie, kontrolliert) testet kommt zu den Ergebnis, dass beide Impfstoffe ähnliche Immunogenitäten erzeugen [3]: 5.003 gesunden Kindern wurde entweder MMR-II oder Priorix injiziert. Evaluiert wurde die Immunogenität der Impfstoffe durch Ermittlung der Antikörper-Konzentration mittels ELISA. Die Serum-Antwort nach 43 Tagen wurde dabei evaluiert. Außerdem wurden die Reaktivität und die Sicherheit der Impfstoffe bewertet. 

12 bis 15 Monate alte gesunde Kinder ohne Vorgeschichte wurden in einem Verhältnis von 3:1 mit entweder einer Dosis Priorix (1 von 3) oder mit einer (1 von 2) Dosen MMR-II geimpft [3]:

Bewertungen der Immunogenität:

  • Antikörper gegen Masern: in 97,8% bis 98,6%
  • Antikörper gegen Mumps: in 90,0% bis 98,6%
  • Antikörper gegen Röteln: in 97,1% bis 97,7%

Die Impferfolgsraten sind ähnlich bei der Maserneinzelimpfung, MMR und MMRV. Da der Impfstoffhersteller des Einzelimpfstoffes gegen Masern (Meriéux) den gleichen Masernstamm verwendet wie Priorix, ist eine ähnliche Immunogenität zu erwarten.

Priorix von GSK:

• Masern: veränderter Schwarz-Stamm, Mumps: RIT 4385, abgeleitet von Jeryl Lynn-Stamm, Röteln: Wistar RA 27/3 Stamm

• Spuren von Neomycin-Sulfat, Aminosäuren, Laktose, Mannitol, 9 mg Sorbitol, Wasser

MMR-VaxPro von msd (auch MMR-II genannt):

• Masern: veränderter Edmonston-Stamm, Mumps: Jeryl Lynn Stamm, Röteln: Wistar RA 27/3 Stamm

 

• Spuren von Neomycin, Spuren von rek. hAlbumin, 14,5 mg Sorbitol, Natriumphosphat, Kaliumphosphat, Saccharose, hydrolisierte Gelatine, Medium 199 mit Hanks`Salzen Minimalmedium Eagle, Natriumglutamat, Phenolrot, Natriumhydrogencarbonat, Salzsäure und Natriumhydroxid (zur pH-Einstellung), Wasser

Masern-Einzelimpfstoff von Mérieux:

• Masern: veränderter Schwarz-Stamm

 

• Spuren von Neomycin, rek. hAlbumin, Aminosäuren (einschl. Phenylalanin), Laktose, Dextran 70, Sorbitol, Phenolrot, Harnstoff, Medium 199 mit Hanks`Salzen, Glutamat, Glutamin, Kaliummonohydrogenphosphat, Kaliumhydroxid, Kaliumdihydrogenphosphat

MMR-II enthält wesentlich mehr Substanzen

MMR-II ist zur Zeit der einzige zugelassene Impfstoff in den USA [3]. Vergleicht man die Inhaltsstoffe der Impfdosen von beiden Herstellern fällt alleine schon oberflächlich auf, dass MMR-II wesentlich mehr Substanzen enthält als Priorix. In Deutschland sind ausschließlich Kombinationsimpfstoffe mit Mumps- und Röteln-Antigenen und wahlweise gegen Windpocken, erhältlich. Auch der Einzelimpfstoff enthält mehrere Bestandteile als Priorix, wenngleich auch keine Gelatine. 

Der Masernimpfstoff wird in Zellkultur von Hühnerembryo-Fibroblasten hergestellt. MMR-II und MMRV (Impfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln einschließlich Windpocken) werden als Lebendimpfstoff geliefert. Die Impfstoffe enthalten geringe Mengen menschliches Albumin, Neomycin, Sorbitol und Gelatine. Fetale DNA ist in Impfstoffen nicht mehr enthalten. 

Der Begriff „Zelllinie“ bedeutet, dass der Stamm einmalig angelegt wurde und seitdem kontinuierlich vermehrt wurde, sprich, es werden nicht immer neue „abgetriebene Zelllinien“ für die Produktion benötigt.

Nicht komplett frei von Produktionsrückständen

Natürlich sind Impfstoffe, wie auch andere nicht parenteral verabreichte Medikamente, nicht komplett frei von Produktionsrückständen, auch wenn die Aufreinigungsprozesse der Impfstoffe noch so gut sind. Diese Verunreinigungen sind auf den Beipackzetteln nicht gelistet, können aber dennoch Reaktionen hervorrufen. Aus diesem Grund plant SEIN e.V. analytische Untersuchungen um Impfstoffe zu testen.

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[1] B. Schneeweiß, “Schlusswort,” Dtsch. Arztebl., vol. 106, no. 14, p. 249, 2009, doi: 10.3238/arztebl.2009.0249. 

[2] N. A. HALSEY, “Increased mortality after high titer measles vaccines: too much of a good thing,” Pediatr. Infect. Dis. J., vol. 12, no. 6, 1993, [Online]. Available: https://journals.lww.com/pidj/Fulltext/1993/06000/Increased_mortality_after_high_titer_measles.2.aspx. 

[3] N. P. Klein et al., “Immunogenicity and Safety of a Measles-Mumps-Rubella Vaccine Administered as a First Dose to Children Aged 12 to 15 Months: A Phase III, Randomized, Noninferiority, Lot-to-Lot Consistency Study,” J. Pediatric Infect. Dis. Soc., vol. 9, no. 2, pp. 194–201, 2020, doi: 10.1093/jpids/piz010. 

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